Dr. Richard Blokesch
Ich bin Psychotherapeut für Verhaltenstherapie und Doktor der Psychotherapiewissenschaften. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf Denkprozessen, die sich im Alltag verselbstständigen können. Dazu gehören insbesondere Grübeln, Perfektionismus, Entscheidungsstress, Schwierigkeiten abzuschalten, mentale Überkontrolle sowie der Umgang mit Unsicherheit.
Viele dieser Phänomene zeigen sich im Alltag nicht als einzelne Gedanken, sondern als wiederkehrende kognitive Abläufe. Situationen werden nachträglich rekonstruiert, Gespräche innerlich erneut durchgegangen oder Entscheidungen wiederholt überprüft. Ebenso werden mögliche zukünftige Ereignisse gedanklich vorweggenommen. Charakteristisch ist dabei, dass der Denkprozess fortgesetzt wird, obwohl keine neuen Informationen vorliegen.
Unter bestimmten Bedingungen kann sich daraus eine stabile Dynamik entwickeln. Gedanken kehren zurück, variieren oder beginnen erneut, ohne dass ein innerer Abschluss entsteht. Belastung entsteht in solchen Fällen häufig weniger durch einzelne Gedankeninhalte als durch die Dynamik, mit der Denken im jeweiligen Moment aktiviert wird.
Mehr zu meiner therapeutischen Arbeit erfahren Sie hier: Psychotherapie Wien – Verhaltenstherapie & Online TherapieQualifikation und wissenschaftliche Arbeit
- Psychotherapeut für Verhaltenstherapie
- Doktor der Psychotherapiewissenschaften
- Psychotherapeutische Tätigkeit im klinischen und ambulanten Bereich
- Forschungsarbeit im Bereich psychologischer Denkprozesse im psychotherapeutischen Kontext
- Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Phänomenen wie Grübeln, Perfektionismus und mentaler Überkontrolle
Blokesch-Modell der Gedankendynamik
Das Blokesch-Modell der Gedankendynamik beschreibt Denkprozesse nicht primär über ihren inhaltlichen Gehalt, sondern über ihre funktionale Rolle im psychischen Geschehen. Gedanken entstehen häufig nicht zufällig, sondern übernehmen in bestimmten Situationen eine regulierende Aufgabe. Denken kann beispielsweise dazu dienen, zukünftige Situationen vorzubereiten, mögliche Fehler zu antizipieren, Unsicherheit zu reduzieren oder emotionale Spannung zu regulieren.
In vielen Situationen erfüllt diese Form des Denkens eine hilfreiche Funktion. Problematisch wird sie jedoch dort, wo kognitive Prozesse beginnen, Aufgaben zu übernehmen, die prinzipiell nicht vollständig lösbar sind. Dazu gehört etwa der Versuch, zukünftige Entwicklungen vollständig kontrollieren zu wollen, alle möglichen Fehler im Voraus zu verhindern oder Unsicherheit vollständig aufzulösen.
In solchen Situationen kann Denken zu einer dominanten Strategie im Umgang mit innerer Anspannung werden. Der Gedankengang setzt sich fort, obwohl keine neuen Informationen vorliegen. Eine Situation wird im Nachhinein erneut analysiert, eine Entscheidung wiederholt überprüft oder ein zukünftiges Ereignis gedanklich mehrfach vorbereitet. Obwohl diese Prozesse ursprünglich Orientierung schaffen sollen, entsteht häufig kein stabiler Abschluss.
Charakteristisch für diese Dynamik ist, dass nicht einzelne Gedanken das zentrale Problem darstellen, sondern der Prozess selbst. Der Versuch, durch Denken Sicherheit zu erzeugen oder Fehler vollständig auszuschließen, führt dazu, dass der kognitive Prozess immer wieder aktiviert wird.
Die Programme auf dieser Website greifen diese Perspektive auf und beschreiben typische Formen solcher Gedankendynamiken im Alltag. Ziel ist es, die Funktionsweise dieser Prozesse besser verständlich zu machen und sichtbar zu machen, an welchen Punkten Veränderung möglich wird. Wenn Menschen beginnen, die Bedingungen zu erkennen, unter denen Denken aktiviert wird, kann sich auch die Intensität und Häufigkeit belastender Gedankenschleifen im Alltag deutlich verändern.